BRD oder DDR 2.0 ?

„Das erste Leben der Angela M.“

von Ralf Georg Reuth und Günther Lachmann

34302402

Eine kritische Buch- Rezension!

Den Autoren Reuth und Lachmann ist hier ein sehr empfehlens- und lesenswertes Werk gelungen, das mutig Verknüpfungen und Entscheidungen in der individuellen Prägung im Leben der Angela M. aufzeigt.

Geboren in Hamburg, wurde sie auf Entscheidung des Vaters als Kind in die DDR umgesiedelt, obwohl sich schon damals der Strom der Bevölkerung sich nur in eine Richtung, nämlich von Ost nach West, bewegte. Nachdem es die sowjetische Besatzungszone war, die unter den Reparationen der UdSSR ganz besonders zu leiden hatte, und sich die wirtschaftliche Situation ganz besonders schlecht darstellte und gestaltete, muss es sich wohl eher um eine ideologische Entscheidung gehandelt haben, das Gebiet der ehemaligen DDR als Lebensmittelpunkt zu wählen. Folglich ging auch der Vater von Angela M. durch seine spätere Arbeit als der „rote Pastor  von Templin“ in die Annalen der Evangelischen Kirche der DDR ein. Schon allein aus dem Elternhaus der Angela M. müssen hier wohl elementare Prägungen in Richtung einer Gesellschaft nach sozialistischem Vorbild vermittelt worden sein, die auch später noch eine große Rolle in der politischen Entscheidungsfindung während ihrer Kanzlerschaft mitgewirkt haben müssen. Die Parole von „Wir schaffen das!“ weist auf eine augenscheinliche Verklärung der reellen existierenden gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland hin, so als gäbe es in Deutschland nach sozialistischem Vorbild, hier  nur eine Volksgemeinschaft, der die soziale Aufgabenbewältigung in einer Art von sozialistischer Gleichmacherei auf alle übertragen werden soll. Dies zeigt sich schon in der Euro-Krise als auch in der jetzt aktuellen Flüchtlingskrise.

Ihre Jugend und  Schulzeit verbrachte Angela M. im wesentlichen recht unauffällig und unspektakulär. Sie war in der Schule immer die Klassenbeste, fiel daher auch niemals als systemkritisch auf. Wer sich an die Lehrpläne der DDR erinnert, wird feststellen, dass hier insbesondere ein großes Augenmerk auf die staatskundliche Unterrichtung gelegt wurde. Pflichtbestandteil des Schulunterrichts war unter anderem die Staatslehre des Marxismus-Leninismus, der zu den tragenden Pfeilern der Indoktrination zählte, was auch für das System überlebenswichtig war, sollte doch damit die Treue zum DDR-Staat als wesentlicher Faktor für sein weiteres Fortbestehen schon in der Schulzeit gesichert werden. Angela M. übernahm schon früh als Jugendliche Aufgaben in der staatlichen FDJ-Organisation und fungierte auch später unter dem Titel einer „Sekretärin“ in der FDJ-Organisation im „Ministerium für Agitation und Propaganda“, wohlwissend, so der ehemalige Mitarbeiter Gunter Walter, der kurzzeitig ihr Vorgesetzter war, und  Angela M. zu seinem Führungskreis am ZIPC (Zentralinstitut für Physikalische Chemie) gehörte, obwohl sie dies bis heute vehement bestreitet. Eine der vorrangigen Aufgaben der FDJ-Grundorganisation war es, sich solide  marxistisch-leninistische Grundkenntnisse anzueignen, um mit neuen gefestigten Argumenten das tägliche politische Gespräch zu führen. Und genau dafür erhielt die Beauftragte für Agitation und Propaganda vorbereitete Materialien. Angela M. hat zwar später, auf ihre Funktion der FDJ-Organisation angesprochen, behauptet, weil auch der Bereich „Kultur“ dazu zählte, sie könne sich daran nicht mehr richtig erinnern, sie sei jedoch lediglich „Kulturbeauftragte“ gewesen, und ihre Tätigkeit habe lediglich darin bestanden, Theaterkarten zu besorgen und Buchlesungen zu organisieren.

Was so garnicht in das Bild einer harmlosen Mitläuferin passt, ist ihr späteres politisches Engagement für die DDR-Strukturen, weil auch offensichtlich politische Inhalte ganz im Sinne der DDR-Führung am Arbeitsplatz in den Instituten, an denen sie eigentlich der physikalischen Forschung nachgehen sollte, insbesondere in den Pausen an der Tagesordnung waren. Dass Angela M.  nicht  dem System kritisch gegenüber eingestellt war, wird auch an der Tatsache offensichtlich, dass ihr ein uneingeschränktes Reiserecht bewilligt wurde, was schon in der DDR-Zeit als außerordentliches Privileg galt, und das nur verdiente DDR-Bürger erhielten, deren Linientreue zum bestehenden politischen System der DDR darüber hinaus als äußerst gefestigt gelten musste.

Angela M. unternahm während dieser Zeit daher auch Reisen in die BRD und kehrte doch stets wieder in die DDR zurück. Aus diesen Tatsachen und ihren späteren Äußerungen schwingt mehr der Wunsch mit, als politische Mitläuferin wahrgenommen zu werden, der man die Umstände als benachteiligte DDR-Bürgerin nachsehen möchte, weil ihr Leben nur aus Kompromissen mit den politischen Umständen bestand, um im Unrechtssystem der DDR nicht unangenehm aufzufallen, und um am Ende nicht der politischen Verfolgung ausgesetzt zu sein. Alles das verliert enorm an Glaubwürdigkeit, wenn  ihre Freiräume innerhalb des politischen Systems und ihre späteren Aussagen verifiziert werden. Merkel war eben nicht nur die Mitläuferin innerhalb eines staatlichen Unrechtssystems, sondern sie war eine Funktionärin. Niemand hatte sie dazu gezwungen in diesen Positionen zu arbeiten; es handelte sich dabei um ihre persönliche und freie Entscheidung.

Zum Zeitraum der Wende galt ihr Engagement auch nicht dem Streben nach der Beendigung des DDR-Unrechtsregimes, sondern in erster Linie dem Nachhängen eines zweiten Sonderwegs, den die DDR als zweiter unabhängiger Staat gehen sollte. Sie sprach von einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz, dass während der DDR-Zeit nur als Farce bezeichnet werden konnte. Sie hielt dabei in der Zeit der politischen Wende am Gedanken eines sozialistischen Staates weiter fest. Erst als das Volk skandierte “Wir sind das Volk!“ hatte, unter dem massiven Druck der Bevölkerung, ein „Reform-Sozialismus“ nach zwei Diktaturen keine Chance mehr auf eine weitere Fortsetzung. Das Volk als der eigentliche Souverän hatte entschieden, und wollte den politischen und vor allem wirtschaftlichen Anschluss an den Westteil Deutschlands. Eine zutiefst demokratische Entscheidung, sollte doch „Alle Macht vom Volke!“ ausgehen.

Dass diesem Grundsatz wohl nicht so sehr entsprochen wurde und aktuell auch nicht wird, ist in der gegenwärtigen Politik Deutschlands ein Sprung in die aktuelle Politik- Landschaft, doch dies würde im Kontext zum ersten Leben der Angela M. jetzt doch zu weit führen. Das Buch spiegelt eine nahezu unglaubliche Rechercheleistung über das Leben der Angela M.  wieder und verdeutlicht, unter welch widrigen Umständen die Wahrheitsfindung über den wichtigen Lebensabschnitt in der DDR und ihre Prägung aus einem Unrechtssystem heraus, die politischen Handlungen der Kanzlerin in einen Kontext gebracht werden können, und wie sie in diesem Zusammenhang verständlich werden. Die Arbeit in einem Unrechtssystem lässt schnell den Blick auf das Recht der Bürger vergessen, wenn die Partei doch immer Recht behält, und schon in ihrem Allmachtsanspruch weiß, was das Beste für seine Bürger ist. Warum dann noch groß, mit der Bevölkerung des Landes über den richtigen Weg in einen  Dialog treten, wenn der Weg doch ohnehin alternativlos ist? Bevormundung ist das ausgemachte Ziel in einem totalitären Staat, der seine Macht gegenüber dem Souverän gnadenlos durchsetzt. Viele Äußerungen der Kanzlerin, von der Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke, der Energiewende, bis hin zu Stuttgart 21, wurden zur „Chefsache“ erklärt, um dann in der Versenkung zu verschwinden. Hier ist eine Person an der Macht, die durch ihre frühe Prägung in einen Unrechtssystem offensichtlich deren Mechanismen zur Machtdurchsetzung  vollumfänglich übernommen hat. Diese Mechanismen der Macht wirken auch, unabhängig vom jeweiligen politischen System, sogar  unter konträr geänderten politischen Vorzeichen.

So wird durch dieses Buch verständlich, weshalb der Regierungsstil unter jahrzehntelanger geübter Manipulation der Bevölkerung in einem sozialistischen System auch in einem westlich kapitalistischen System bestens funktioniert, wenn sie der Bevölkerung als „alternativlos“ nahegebracht, entsprechend gemanagt, und strategisch klug verpackt wird. Das Eingestehen von Fehlern gehörte schon zur DDR-Zeit nicht zum Repertoire der DDR-Staatsmacht, umso weniger gehört das Eingeständnis eines Fehlers in der Frage der Euro-Rettung oder in der aktuellen Flüchtlingskrise zum Repertoire einer Angela M.

Das Buch ist sauber recherchiert, und zeigt die Neuerfindung der Angela M. auf, die Äußerungen von sich preis gibt, die nicht so recht zu ihrer Entwicklung zu DDR-Zeiten passen wollen, wenn nun plötzlich schon seit frühester Jugendzeit, schon immer das freiheitlich demokratische System der BRD als das einzige erstrebenswerte System in ihren Gedanken fest verankert war. In Anpassung an das politische westliche System, wird nun von allem das Gegenteil behauptet, das sozialistische DDR-System gebrandmarkt, und das Bild der harmlosen DDR-Mitläuferin gezeichnet. Wer diesem von ihr über sich selbst gezeichnetem Trugbild misstraut, dem ist die Lektüre dieses Buches nachdrücklich empfohlen, um sich ein eigenes Bild über den Wahrheitsgehalt der Aussagen der Kanzlerin über ihre persönliche „politische Wende“ zu machen, die sich im übrigen einer Mitarbeit am Entstehen des Buches verweigert hatte, was sie über ihren Regierungssprecher mitteilen ließ. Vertane Chance- oder wie Gorbatschow es schon zum Ausdruck brachte: „Wer zu spät kommt, den straft das Leben!“

 

Der Politskeptiker

 

http://www.amazon.de/Das-erste-Leben-Angela-M/dp/3492055818/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1454423161&sr=1-1&keywords=das+erste+leben+der+angela+m

(Bild/Quelle: n-tv)

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About juttalotzhentschel

Jutta Lotz- Hentschel - Praxis Ansavita Lebensphilosophische und spirituell- psychologische Beratung Integrales Life- Management und Personal- Training Innovative Konzeptionslösungen und Krisen- Management Holistischen Bewusstseinsentwicklung Mentoring Autorin und Schriftstellerin.

One response to “BRD oder DDR 2.0 ?”

  1. julinero says :

    Vielen Dank für die aussagekräftige Rezension. Schon die Beschreibung des Inhalts ist für mich ein Grund das Buch sofort zu bestellen.

    Gefällt mir

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